Stadtrat Gerold Lauber (CVP) in der Stadtratskolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 7. September

Nicht schon wieder!


Ich verstehe Ihre Reaktion. Das Land kennt nur noch ein Thema: Burkas und Burkinis. Diese Frage kennt überzeugte Gegner und ebensolche Befürworter. Ich bin mir nicht ganz schlüssig. Begegnet bin ich noch nie einer Burka- oder Burkiniträgerin, trotzdem ist die Diskussion darüber nicht trivial.
Der Franzose Sarkozy beispielsweise fühlt sich von Burkinis provoziert, zahlreiche Gemeinden in Frankreich haben diese verboten, das zuständige Gericht wiederum hat dann das Verbot verboten. Hygiene dient oft als Argument. In unseren öffentlichen Bädern macht mir die Unter­wäsche unter der Badehose modebewusster Jünglinge diesbezüglich mehr Sorgen.

Burkas ihrerseits gehörten nicht in eine liberale Gesellschaft, so unter anderem die Meinung von Regierungsrat Fehr. Nicht sehr liberal in einer liberalen Gesellschaft. Andere sehen unter oder hinter jeder Burka eine poten­zielle Terroristin und damit ein Sicherheitsrisiko. Unsinn. Kirchenbund und Rat der Religionen freunden sich mit der Idee eines Verbots an. Über­raschung. Gemäss Umfragen will eine Mehrheit der SchweizerInnen ein Burkaverbot. Keine Über­raschung. Politiker sähen ein Verbot lieber in einem Gesetz statt in der Verfassung verankert. Seltsam. Was mich zögern lässt, ist die Frage nach der Rolle der Frau im Islam. Mit der erzwungenen Verschleierung nehme man ihr das Recht auf selbstbestimmte Persönlichkeit, liest man. Solche Fälle gibt es. Könnte es aber auch sein, dass es Frauen gibt, die eine Burka tragen wollen?

Was ich drum nicht weiss: Ist tatsächlich jede Burkaträgerin eine unterdrückte Frau? Was, wenn sie die Burka tatsächlich aus Überzeugung trägt, ähnlich einer Tracht? Ein Verbot nähme ihr die Wahlfreiheit, sich gemäss ihrer religiösen Traditionen zu kleiden. Soll das Verbot also Kultur oder Religion verbieten, weil sie uns fremd sind? Deshalb wohl: im Zweifelsfall gegen das Verbot, denn es dient niemandem.

Quelle: tagblattzuerich.ch